Das Schloss in Liblice ist eine Barockperle der böhmischen Schlossarchitektur.
Im Jahre 1699 erbte Daniel Norbert Pachta von Rájov die Herrschaft Liblice mit einer verlassenen Festung. Sein Nachfolger, Graf Arnošt, entschloss sich, an diesem geeigneten Ort eine Residenz zu errichten, die eines Barockkavaliers würdig wäre. Als Baumeister suchte er sich Giovanni Battista Alliprandi aus, der in dieser Zeit ein gefragter Hofarchitekt des böhmischen Adels gewesen und Autor der bedeutendsten Barockbauten in unserem Lande ist.
Das Schloss wurde an einem Ort gebaut, der weit genug von der Gemeinde entfernt war.So diente es auch zur Grundlage des künftigen umfangreichen Schlossparks und des Geheges. Die ursprüngliche Vorlage des Projektes war ein Entwurf des Grundrisses vom Wiener Baumeister Fischer von Erlach. Die Anpassungen, gemäß den Anforderungen des Besitzers und gemäß den Geländemöglichkeiten vorgenommen wurden, ließen ein monumentales Bauwerk entstehen. Gegenüber dem ursprünglichen Entwurf wurde das Bauwerk vereinfacht, von einer Fülle dekorativer plastischer Elemente befreit und ließ so die Reinheit der Architektur selbst hervorragen. Der architektonische Typ, der hier von Alliprandi gewählt wurde, wurde auf unserem Territorium zum ersten Male angewandt und diente später als Vorbild für so manche Adelsresidenzen [Palais in Prag, Schloss in Chlumec nad Cidlinou (Chlumetz an der Zidlina), in Veltrusy (Weltruß), das Spital in Duchcov (Dux) usw.
In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde die Verzierung des Schlosses durch Statuen und Vasen auf dem Balkon und der Terrasse aus der Werkstatt des Bildhauers Ignác Platzer vervollkommnet, aus dessen Werkstätten auch die Verzierung der Wände der Sala terrena (Gartenhalle) stammt. Ende des 18. Jahrhunderts erhielten auch die Wirtschaftsgebäude, die den Ehrenhof abschließen, ihre heutige Gestalt. Aus dieser Zeit stammen unter anderem auch die Anpassungen des Schlossparks mit einem Wegenetz, Terrassen und Wasserkanälen. Später wurde der Park nicht mehr so gut gepflegt und erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde er nach einem Entwurf des vorrangigen Gartenarchitekten Camillo Schneider gestaltet.
Die Herren Pachta von Rájov besaßen das Schloss und die Herrschaft bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Später ging beides in den Besitz des Duxer Zweiges des Geschlechtes Valdštejn und Thun-Hohenstein über, in deren Besitz es bis zum Jahre 1945 blieb, als es in staatliches Eigentum überging.
Die Inhaber passten das Schloss nach und nach ihren Bedürfnissen an und modernisierten es, wodurch der reine und monumentale ursprüngliche Charakter der Interieure in gewissem Maße verwischt wurde. Trotzdem ist die malerische und pseudorenaissancemäßige Stuckverzierung der Interieure ein Beleg der zeitgenössischen Entwicklung und ein untrennbarer Bestandteil der Geschichte des Bauwerks.
An diese Entwicklung knüpfen natürlich auch die neuzeitlichen Anpassungen der Interieure an, die in den letzten Jahren vorgenommen worden und Bestandteil der umfangreichen Gesamtrekonstruktion des ganzen Objektes gewesen sind.
Bestandteil der baulichen Entwicklung sind auch die historisch wertvollen Begleitbauten auf dem Parkgelände - das Schlosstreibhaus, das Gärtnerhäuschen, die Schlosskapelle und das Kreuz zum Andenken an Leonard Thun-Hohenstein.
Geschichte der Gemeinde Liblice
Das Schlossgelände liegt in der Gemarkung der Gemeinde Liblice. Das hiesige Territorium war dank seinen günstigen Bedingungen (Meereshöhe 200 m ü. d. M., Wasser zur Genüge, Mischwaldbestände) bereits seit der Urzeit besiedelt. Dies wird von archäologischen Funden aus der Epoche vor etwa 5000 Jahren v. u. Z. belegt.
Die erste schriftliche Erwähnung über Liblice stammt aus dem Jahre 1254 und ist mit dem Namen des Václavs von Liblice und seiner Residenz verbunden. Im Jahre 1375 wurde von der hiesigen Festung berichtet. Sie wurde zwar auf einer Ebene errichtet, natürlicher Schutz wurde ihr jedoch von Wasser und Sümpfen geboten. Im Jahre 1669, als das bedeutende Geschlecht der Herren Pachta von Rájov die Herrschaft errang, war die Festung bereits verlassen. In dieser Zeit begann auch die Geschichte des Schlosses Liblice. Gegenwärtig leben in der Gemeinde ständig ungefähr 480 Einwohner.
Zu den bedeutenden Denkmälern der Gemeinde Liblice gehören:
Die St.-Wenzelskirche - im gotischen Stil erbaut - sie wurde bereits um das Jahr 1385 erwähnt. Die gegenwärtige Barockgestalt bekam sie bei einem umfangreichen Umbau im Jahre 1710, damals ließ Jan Pachta von Rájov das Oratorium und die Sakristei errichten. In den Jahren 1713 - 15 wurde der Turm mit der Kuppel angebaut und die Kirche wurde baulich gestaltet. Das Interieur wurde mit einer Stuckverzierung fertig gestellt. Die ursprünglichen gotischen Elemente sind nur im Mauerwerk, in den Fenstern und im Gewölbe des Presbyteriums erhalten geblieben. Das heutige Interieur ist barock, es wurde in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts erneuert. Unter dem großen Altar befindet sich die Gruft der Grafenfamilien Pachta und Dejm.
Die Kapelle der Jungfrau Maria stammt aus dem Jahre 1699, der Autor des Entwurfes ist wahrscheinlich der Baumeister des hiesigen Schlosses, G. B. Alliprandi.
Das Grabmal von J. Josef Graf Pachta, eines ausgezeichneten Musikers und Komponisten, der in seinem Prager Palais u. a. W. A. Mozart bewirtet hat, befindet sich auf dem hiesigen Friedhof. Es stammt aus dem Jahre 1822 und kommt aus der Familienwerkstatt von Ignác Platzer.
Die Statue des hl. Johannes Nepomuk - vor der Kirche stehend - ist ein Barockwerk aus dem Jahre 1710.









